Unruh ist kein Stressproblem

Wussten Sie, dass die Hemmung kein Charakterfehler ist – und warum das Federhaus keine Tür hat?


Nicole & Volker erklären die Welt der Uhren und des Schmucks in ihrer ganz eigenen, typischen Art: mit Expertise, Leidenschaft – und einer guten Prise Humor.


Willkommen im etwas anderen Glossar: kein trockenes Lexikon, sondern echtes Wissen, das Spaß macht.

Das Federhaus hat keine Tür
Das Federhaus hat keine Tür
Was ist ein Federhaus in der Uhr? Das Federhaus ist das Energiezentrum jeder mechanischen Uhr – egal ob Armbanduhr oder Wanduhr. In diesem kleinen zylindrischen Gehäuse sitzt eine aufgewickelte Feder, die sogenannte Zugfeder. Wird sie über die Krone aufgezogen, speichert sie Energie und gibt diese gleichmäßig ans Uhrwerk weiter – bis hin zum Gangregler. Bei der Armbanduhr ist das die Unruh, das schwingende Element, das durch den Glasboden sichtbar ist. Bei einer Großuhr übernimmt das Pendel diese Aufgabe. Ohne Federhaus keine Kraft, ohne Kraft keine Bewegung – es ist schlicht das Herz der mechanischen Uhr.
Einmal vollmachen, bitte!
Einmal vollmachen, bitte!
Was ist die Gangreserve einer Uhr? Die Gangreserve gibt an, wie lange eine mechanische Uhr nach dem vollständigen Aufziehen weiterläuft – ohne erneut aufgezogen zu werden. Ähnlich wie die Tankanzeige beim Auto zeigt sie: Wie viel Energie ist noch gespeichert? <br><br>Union Glashütte etwa erreicht bei Dreizeigeruhren eine Gangreserve von 80 Stunden, bei Chronographen 60 Stunden. Besonders beeindruckend: Das Kaliber 400 von ORIS schafft stolze fünf Tage. Je länger die Gangreserve, desto seltener muss die Uhr aufgezogen werden – ein wichtiges Qualitätsmerkmal bei mechanischen Uhren.
Drücker gibt's an der Uhr. Und zu Hause.
Drücker gibt's an der Uhr. Und zu Hause.
Was ist ein Drücker an der Uhr? Als Drücker bezeichnet man die seitlichen Bedienelemente an einer Armbanduhr – nicht zu verwechseln mit der Krone. Drücker gibt es in verschiedenen Formen: rund, eckig oder verschraubt. Am häufigsten findet man sie bei Chronographen: Der obere Drücker startet und stoppt die Stoppfunktion, der untere setzt sie zurück (Nullsteller). Manche Uhren haben zusätzlich versenkbare Drücker – etwa zur Datumskorrektur, wie bei der Union Glashütte. Übrigens: Was Kunden manchmal „Stellknopf" nennen, ist in der Fachsprache entweder die Krone oder eben der Drücker – je nachdem, was gemeint ist.
Die Taucherbrille fürs Handgelenk
Die Taucherbrille fürs Handgelenk
Was bedeutet Wasserdichtigkeit bei Uhren? Wasserdichtigkeit bedeutet nicht, dass Wasser wieder herausläuft – sondern dass es erst gar nicht hineinkommt. Klingt logisch, wird aber häufig missverstanden. Denn nicht jede „wasserdichte“ Uhr freut sich über einen spontanen Ausflug ins Schwimmbecken.<br>Die Angabe erfolgt entweder in Metern oder in Atmosphären (ATM/Bar) – beides beschreibt denselben Druckwert. 3 ATM (30 Meter) und 5 ATM (50 Meter) bedeuten in der Praxis lediglich Spritzwasserschutz – also geeignet zum Händewaschen, nicht zum Brustschwimmen mit olympischem Ehrgeiz. Der Grund: Ein Sprung vom Dreimeterbrett erzeugt am Handgelenk deutlich höhere Drücke als 3 Bar – auch wenn das Becken selbst nur 4,50 Meter tief ist. Ab 10 ATM (100 Meter) gilt eine Uhr als wirklich wasserdicht und ist für Schwimmen und Schnorcheln geeignet. Uhren wie die ORIS mit 200 ATM sind selbst für den Tauchsport ausgelegt. Also für Situationen, in denen man zwar selten Termine hat, aber trotzdem gern die Uhrzeit kennt 😉